Wenn die Stimme kippt

Eine klare, starke Stimme klingt angenehm und unterstreicht unsere Persönlichkeit. Wirkt sie jedoch heiser, gedrückt, belegt und kratzig oder bleibt sie sogar vollständig weg, sollte man genau ergründen, wo die Ursachen liegen. Denn die Gründe für Stimmprobleme oder -verlust sind vielfältig. Umso wichtiger ist es, sie richtig zu diagnostizieren. Die Ärztin für Phoniatrie Dr. med. Anne Lorenz verbindet dabei jahrelanges Erfahrungswissen, modernste Untersuchungsmethoden und das Gespür für ganzheitliche und effektive Behandlungsansätze.

Dr. med. Anne Lorenz

Die Fachärztin für Phoniatrie und Pädaudiologie sowie Diplom-Sprechwissenschaftlerin hat in Tübingen Medizin studiert. Für ihre Promotion über Stimmstörungen bei Sängern erhielt sie den KIND-Promotionspreis
der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) . Sie ist in einer Gemeinschaftspraxis für Phoniatrie und Pädaudiologie in Reutlingen niedergelassen und behandelt ihre Patienten unter ganzheitlichem Aspekt.

Fallbeispiel 1: Heiserkeit und Stimmverlust durch Überlastung

Eine 37-jährige Grundschullehrerin und Mutter von zwei kleinen Kindern kam mit starken Stimmproblemen in die Sprechstunde. Sie war sehr oft heiser und hatte auch immer wieder Phasen, in denen ihre Stimme ganz wegblieb. Die Stimme wurde im Lauf des Tages immer schlechter, und auch Rufen war nicht mehr möglich. Da die Patientin auch Sport- und Schwimmlehrerin ist, war dieser Zustand nicht mehr tragbar. Zudem hatte sich ihr Stimmklang stark verändert, war nicht mehr klar, sondern nur noch kratzig. Auch in der Praxis bei mir klang ihre Stimme sehr heiser. Obwohl sie ihren Beruf liebe, belaste sie die Situation sehr – so könne sie jedenfalls nicht mehr weiterarbeiten, sagte sie. Sie wolle deshalb wissen, was genau der Grund ihrer chronischen Beschwerden sei und was sie tun könne.

Mein Verdacht: Da die Stimme der Patientin ständig überlastet ist, war mein erster Gedanke, dass sie eine funktionelle Stimmstörung haben könnte. Um dies sicher zu diagnostizieren, mache ich immer zuerst eine allgemeine HNO-Untersuchung und dann eine spezielle Untersuchung des Kehlkopfs, eine sogenannte flexible Lupen-Laryngo-Stroboskopie. Das Laryngo-Stroboskop arbeitet mit präzisen Lichtblitzen und einem Endoskop, um die extrem schnellen Bewegungen der Stimmlippen sichtbar zu machen. Diesen Schwingungsablauf sieht man dann in „Zeitlupe“ auf dem Bildschirm. So kann ich erkennen, ob die Stimmlippen richtig schwingen, ob sie entzündet oder eventuell gelähmt sind und ob Knötchen, Ödeme oder Polypen vorhanden sind. Bei der Untersuchung mit dem Laryngo-Stroboskop wird das sehr dünne, biegsame Endoskop vorsichtig durch die leicht betäubte Nase eingeführt. Das tut nicht weh, die Patienten können dabei ganz normal atmen und weitersprechen.

Bei der detaillierten Videoaufnahme zeigte sich, dass die Stimmlippen der Patientin beim Sprechen nicht regelmäßig schwingen und dann auch nicht vollständig schließen, sodass zu viel Atemluft austritt. Deshalb klingt ihre Stimme heiser. Zudem waren kleine Stimmlippenknötchen sichtbar, die durch die ständige Überlastung entstanden sind. Da sich diese Knötchen gegenüberliegen und sich beim Sprechen in der Mitte berühren, ­verbleibt davor und dahinter eine Öffnung. Der komplette Stimmlippenschluss im Kehlkopf ist damit nicht mehr möglich. Die Öffnung erinnert an das Aussehen einer Sanduhr und wird deshalb auch „Sanduhrglottis“ genannt.

Mein Behandlungsansatz:

Normalerweise erholt sich eine angestrengte, aber prinzipiell gesunde Stimme über Nacht oder spätestens übers Wochenende. Tut sie das nicht, wie es hier der Fall ist, handelt es sich um eine chronische, funktionelle Beschwerde, weil sich die Patientin im Laufe vieler Jahre eine zu angespannte Sprechweise angewöhnt hat.

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Den kompletten, ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem Magazin natürlich gesund und munter 06/2026

Foto: Pexels.com

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