Chronische Entzündungsprozesse schädigen die Wände der Blutgefäße. Lebensgefährliche Infarkte können die Folge sein. Der neue Blick auf die Auslöser und den Verlauf von Arteriosklerose eröffnet Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, auf natürliche Weise selbst etwas für Ihre Gefäße und Ihre Herzgesundheit zu tun.
Ganz gleich, ob Sie morgens aus dem Bett aufstehen, auf einen Berg steigen, sich freuen oder fürchten – Ihr Herz reagiert auf jede Veränderung und passt seine Arbeitsleistung an die Bedürfnisse an. Es versorgt den Körper mit sauerstoffreichem Blut in der Menge, die er braucht. Ein intelligentes Gefäßsystem verteilt das zirkulierende Blut dorthin, wo es gebraucht wird: ins aktive Gewebe. Beim anstrengenden Radfahren strömt deshalb 20-mal so viel sauerstoffreiches Blut durch die Beinmuskeln wie beim Entspannen auf dem Sofa. Bei intensiver Denkarbeit bekommen die zuständigen Nervenzellen der Großhirnrinde eine Extraportion Blut geliefert. Kein anderes Organ ist derart mit unserem Lebendigsein verbunden wie das Herz. Doch dieses Wunderwerk der Natur, das in so enger Verbindung mit unserem Fühlen, mit unserer körperlichen und geistigen Kraft steht, ist auch anfällig. Ausgerechnet an den Herzkranzgefäßen, die das unermüdliche Herz mit Sauerstoff versorgen, kommt es oft zu fatalen Verengungen. Die Gefäßwände verdicken und verhärten sich, eine Arteriosklerose – umgangssprachlich Gefäßverkalkung – entsteht. Immer weniger Blut fließt durch die Adern. Schlimmstenfalls bricht eine solche Verhärtung auf, und es bildet sich ein verklebter Blutpfropf, der ein Herzkranzgefäß blockiert und einen lebensgefährlichen Infarkt auslöst.
Kneippen schützt die Gefäße
Das Gesundheitsgeheimnis: Der Wechsel zwischen Kälte und Wärme trainiert die Adern. Sie verengen und weiten sich und schütten dabei verstärkt entzündungshemmendes Stickstoffmonoxid, kurz NO, aus. Das beugt einer Arteriosklerose vor. Kneipp’sche Wasseranwendungen sind leicht in den Alltag integrierbar. Nur wenige Grundregeln sind zu beachten: Nie kaltes Wasser auf kalte Haut; anfangs schonend beginnen und langsam steigern; Herzklopfen vermeiden. Richtig dosiert haben Sie, wenn Sie sich nach der Anwendung wohlfühlen.
Wassertreten – trainiert Kreislauf und Gefäße
Besonders gut geht das in einer Kneippanlage. Fürs Wassertreten zu Hause füllen Sie einen großen Eimer mit kaltem Wasser, bis es Ihnen eine Handbreit unters Knie reicht. Mit beiden Beinen hineinsteigen und im Storchengang die Füße abwechselnd kurz ganz aus dem Wasser herausheben. Je nach Wassertemperatur machen Sie das eine halbe bis eine Minute, dann laufen Sie sich wieder warm.
Wechselduschen – ideal, um schon morgens den Kreislauf in Schwung zu bringen
Kurz warm duschen, dann das Wasser kalt drehen. Den sanften Duschstrahl zunächst auf das rechte, herzferne Bein richten und damit außen hochfahren, danach an der Innenseite. Nun das linke Bein. Dann den gleichen Ablauf an den Armen, erst rechts, dann links. Anschließend sind Brust, Bauch, kurz der Nacken und am Schluss das Gesicht an der Reihe.
Der neue Blick auf die Ursachen
Die Verhärtungen in den Gefäßwänden sind mit Cholesterin aufgeplustert. Deshalb hat sich die Medizin in den vergangen Jahrzehnten stark um die Senkung dieses Fettstoffs im Blut bemüht. Inzwischen setzt sich aber immer mehr ein neues Bild von Gefäßerkrankungen durch. Cholesterin lagert sich nämlich nicht wie Kalk in einem Wasserrohr in den Gefäßwänden ab. Vielmehr treiben entzündliche Prozesse die „Gefäßverkalkung“ und die Cholesterineinlagerung voran. Selbst bei der Entstehung der gefährlichen Blutpfropfen sind Entzündungsprozesse maßgeblich beteiligt. Professor Dr. Walter Speidl, Arteriosklerose-Spezialist an der Universität Wien, stellt klar: „Arteriosklerose ist ein chronisch entzündlicher Prozess in der Gefäßwand. Die wissenschaftlichen Beweise dafür sind heute überwältigend.“
Für die Medizin ergibt sich daraus eine völlig neue Perspektive. Forscher suchen nun nach Arzneiwirkstoffen, die gezielt die Entzündung in der Arterienwand eindämmen können. Gegenwärtig laufen die ersten beiden internationalen Großstudien mit entzündungshemmenden Wirkstoffen zur Senkung des Infarkt-Risikos. Medizinforscher erwarten die Ergebnisse mit großer Spannung. Prof. Speidl: „Im November werden die Ergebnisse wahrscheinlich auf dem amerikanischen Herzkongress präsentiert werden.“
Ausharren, bis neue Medikamente dieser Art auf den Markt kommen, müssen Sie dennoch nicht. Das neue Bild von der Arteriosklerose eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, auf natürliche Weise und hoch wirksam selbst etwas für Herz und Gefäße zu tun. Mit dem Lebensstil, insbesondere der Ernährung, verschlimmern wir nämlich entzündliche Prozesse in unserem Körper, auch direkt an unseren Gefäßen. Andererseits können wir sie damit schnell und tiefgreifend lindern.
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