Die Heilkraft der Buteyko-Atmung

Kontrolliert weniger zu atmen – wozu soll das gut sein? Die Methode der Buteyko-Atmung setzt auf eine solche achtsame Reduktion, um das Atemzentrum neu zu regulieren und den ganzen Körper zu stabilisieren. Dies kann dazu beitragen, dass sich viele Krankheiten bessern.

Ein, aus, Pause – ein, aus, Pause ... der Rhythmus unseres Atems begleitet uns durch unser ganzes Leben, vom ersten Luftholen nach der Geburt bis zum letzten Atemzug auf dem Sterbebett. Rund 20 000-mal pro Tag ziehen wir mit jedem einzelnen Atemzug einen halben Liter Luft durch die Nase oder den Mund ein und stoßen ihn beim Ausatmen wieder aus.

Gesteuert vom Atemzentrum im Hirnstamm passt sich dieser Vorgang in enger Abstimmung mit dem Herz-Kreislaufsystem, dem Stoffwechsel und der Muskulatur fortlaufend an die Bedürfnisse unseres Organismus an. Bei körperlicher Anstrengung, etwa beim Treppensteigen oder beim Sport, wird die Atmung schneller und auch tiefer, weil die Muskulatur mehr Sauerstoff benötigt und mehr Kohlendioxid entsteht; gleichzeitig steigt die Herzfrequenz. Bei Stress oder Angst beschleunigt sie sich, um den Körper leistungsbereit zu machen, in großer Höhe erhöht sich die Atemtätigkeit, um den geringeren Sauerstoffgehalt der Luft auszugleichen. In Ruhe oder im Schlaf hingegen verlangsamen sich sowohl die Atmung als auch der Puls, da unser Stoffwechsel dann weniger Energie verbraucht.

Atmung wirkt ganzheitlich

Diese Regulation der Atmung geschieht unwillkürlich und meist unbemerkt – und doch ist die Atmung die einzige lebenswichtige Körperfunktion, die wir direkt willentlich verändern können. Wir können das Luft­holen gezielt beschleunigen und verlangsamen, tiefer oder flacher atmen, den Atem für kurze Zeit anhalten, ihn einfach fließen lassen oder unsere Aufmerksamkeit auf die einzelnen Atemzüge lenken. Damit beeinflussen wir sowohl körperliche Funktionen als auch unser seelisches Erleben. Zugleich spiegeln sich Stimmung, Gedanken und körperliches Befinden unmittelbar im Atem wider.

Auf mechanischer Ebene wirken die Atembewegungen direkt auf die Organe im Brustraum: Beim zwerchfellgesteuerten Einatmen sinkt der Druck im Brustkorb. Dadurch verändert sich unter anderem der venöse Rückstrom zum Herzen, was sich auf Herzschlag und Blutdruck auswirkt. Unter Stress oder Anspannung atmen wir allerdings häufig flach in den oberen Brustkorb, hastig oder unregelmäßig, manchmal halten wir die Luft unbewusst an. Solche Atemmuster können Nervosität verstärken, Stressreaktionen fördern und bei Dauerbelastung zu Erschöpfung beitragen. Umgekehrt kann eine bewusst ruhige Atmung die Stimmung stabilisieren und innere Anspannung verringern. Sie unterstützt die Regulation des Nervensystems und fördert die Konzentration.

Auch Atmung und Emotionen stehen in einer wechselseitigen Beziehung: Wenn wir lächeln oder uns freuen, wird eher der parasympathische Teil des Nervensystems aktiviert, also jener Bereich, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist. Atemfrequenz, Herzschlag und Muskelspannung regulieren sich, und die Atmung wird ruhiger und gleichmäßiger.

Atmung anatomisch betrachtet

Im Brustraum verändern sich rhythmisch Volumen und Druck – diese mechanischen Vorgänge ermöglichen den Gasaustausch in den Lungenbläschen. Sauerstoff gelangt ins Blut und wird zu den Körperzellen transportiert. Im Gegenzug wird Kohlendioxid zur Lunge zurückgeführt und beim Ausatmen abgegeben. Der Hauptatemmuskel ist das Zwerchfell.

  • Beim Einatmen in Ruhe kontrahiert das Zwerchfell und senkt sich nach unten. Der Bauch bewegt sich dabei leicht nach außen. Dadurch vergrößert sich der Brustraum, der Druck im Inneren sinkt, und Luft strömt in die Lungen. Die Lungen selbst haben keine eigene Muskulatur, sondern folgen diesen Bewegungen über das Rippenfell.
  • Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell und wölbt sich nach oben. Der Bauch zieht leicht nach innen, der Brustraum verkleinert sich, der Druck steigt und die Luft wird aus den Lungen herausgedrückt.

Überatmung und ihre Folgen

In den Fünfzigerjahren hat der sowjetische, auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geborene Arzt und Wissenschaftler Dr. Konstantin P. Buteyko die Erfahrung gemacht, dass manche seiner Patienten beim Abhorchen nach einigen tiefen Atemzügen ohnmächtig wurden. Das brachte ihn auf den Gedanken, dass eine Atmung, die schneller oder tiefer ist, als für den aktuellen körperlichen Bedarf notwendig wäre, möglicherweise Krankheiten auslösen kann. Der Arzt, der selbst an Bluthochdruck litt, begann daraufhin mit einer Verringerung der Atmung zu experimentieren. Und tatsächlich, sein Blutdruck besserte sich damit, verschlechterte sich aber wieder, sobald er zur tiefen Atmung zurückkehrte. Auch bei seinen Asthma- und Angina-pectoris-Patienten machte er diese Beobachtung. Er schloss daraus, dass Menschen, die zu viel atmen, zu viel Kohlendioxid (CO₂) verlieren und dass chronische Hyperventilation für viele Zivilisationskrankheiten zumindest mitverantwortlich sein kann. Wird nämlich mehr Kohlendioxid abgeatmet, als der Körper produziert, sinkt der CO₂-Gehalt im Blut, was wiederum den Säure-Basen-Haushalt verändert. Typische Folgen sind Schwindel, Kribbeln in Händen oder Lippen, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust oder das Gefühl von Luftnot. Obwohl im Blut genug Sauerstoff vorhanden ist, kommt in den Zellen zu wenig davon an.

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Den kompletten, ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem Magazin NATÜRLICH GESUND UND MUNTER 03/2026

 

Foto: Barillo_Images / Shutterstock.com

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