Jedes Symptom hat seine Ursache, und wenn das Symptom nicht nachhaltig verschwindet, wurde die Ursache nicht entdeckt. Davon ist der „Fusskartograph“ Carsten Stark überzeugt. Bei chronischen Beschwerden an den Füßen reicht es seiner Erfahrung nach meist nicht aus, nur auf die Enden der Beine zu schauen. Mitunter finden sich die Ursachen der Schmerzen nämlich an ganz anderen Stellen des Körpers. Auch das Schuhwerk hat der Fußexperte im Blick.
„Fusskartographie“ – was ist das?
Die Füße spiegeln Belastungen, Bewegungsmuster und mögliche Spannungen des gesamten Körpers wider. Deshalb kann man aus ihrer Form, Druckverteilung, Beweglichkeit und Belastung Rückschlüsse auf Beschwerden etwa an Knien oder Rücken ziehen und davon Behandlungs- und Selbsthilfemaßnahmen ableiten. Das ist die Grundidee hinter der „Fusskartographie“. Je ausgeglichener sich das Fußbild im digitalen Scan zeigt, desto wahrscheinlicher ist ein harmonisches Zusammenspiel mit dem restlichen Körper.
Carsten Stark
Der Münchner Heilpraktiker hilft seit mehr als 20 Jahren erfolgreich bei scheinbar unlösbaren Beschwerden in den Füßen. Er analysiert mit der von ihm entwickelten „Fusskartographie“ nicht nur die Füße selbst, sondern blickt dabei immer auch auf den Rest des Körpers, um den Ursachen für körperliche Beschwerden ganzheitlich auf den Grund zu gehen. Zum Thema Fußgesundheit hat er drei Bücher verfasst: „Füße gut, alles gut“, „Das Buch für den Hallux“ und „Das Buch für die Ferse“ (alle im Südwest Verlag).
Fallbeispiel 1: Schmerzende Fersen
Ein sportlicher Mittdreißiger suchte meinen Rat. Seit einem Achillessehnenriss vor etwa fünf Jahren habe er immer wieder Probleme mit dem operierten linken Fuß. Nun schmerze zunehmend auch die rechte Ferse. Trotzdem gehe er dreimal pro Woche jeweils für etwa eine halbe Stunde bis Stunde laufen – er brauche die Bewegung als Ausgleich zu seinem stressigen Job. Die Schmerzen in der Ferse ließen beim Joggen zudem nach. Sobald er aber abends zur Ruhe komme, seien die Beschwerden wieder da. Besonders schlimm sei es morgens direkt nach dem Aufstehen. Da gehe er die ersten zehn, 15 Schritte wie ein alter Mann. Vom Orthopäden verordnete Einlagen, vier Wochen Schonung und das Einreiben mit Salben habe keine Besserung gebracht. Auch Businessschuhe seien mittlerweile ein Problem, da sie genau auf die schmerzende Stelle drücken. Im Fersenbereich weich gepolsterte Turnschuhe gingen, aber als Unternehmensberater könne er die im Job nicht tragen.
Mein Verdacht:
Der Patient hat eine Reizung der Achillessehne. Was diese ursächlich verursacht, zeigte sich in der ausführlichen Anamnese. Dafür begutachtete ich nicht nur die Füße selbst, sondern auch Gang und Körperhaltung: Wo gibt es an den Füßen Hornhaut, wo Rötungen oder Verdickungen? Wie ist der Tonus der Muskeln? Sind die rechte und die linke Ferse gleich warm oder gibt es Temperaturunterschiede? Falls ja, weist das auf eine kleine latente Entzündung hin. Wie geht und steht der Patient barfuß? Wie ist sein Bewegungsmuster, wie seine Körperhaltung? Knickt er im Einbeinstand mit dem Fuß ein oder steht er stabil in der Körperachse?
Ergänzt wurde diese Bestandaufnahme durch einen digitalen Scan der Füße. Mit diesem, von mir als „Fusskartographie“ bezeichneten Fußbild kann ich ablesen, wie harmonisch und ausgeglichen die Füße belastet werden. Zeigen sich gravierende Unterschiede zwischen dem rechten und dem linken Fuß, verweist das auf bestehende Dysbalancen und gibt mir einen Hinweis, wo und in welcher Reihenfolge ich mit meiner Behandlung ansetzen kann. Auch die Tatsache, dass der Patient in seiner Jugend intensiv Sport getrieben hat und dass er derzeit beruflich wie privat sehr unter Druck steht, fließt in meine Diagnose und damit auch in die vorgeschlagene Therapie ein.
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Foto: Christian M. Weiss /Südwest Verlag; Carsten Stark